Es ist ein Tag wie jeder andere im August. Scheinbar.
Nach langer Zeit bin ich wieder einmal zu der kleinen Bucht am Rheinufer gefahren und beobachte ein paar Enten, die sich auf dem Wasser treiben lassen.
Warm ist der Sand, in den ich mit meinen Zehen kleine Kreis male.
Das Lachen habe ich beiseite gelegt zu den Schuhen.
Zu schwer ist es mir geworden in den letzten Tagen.
Dieser einsame Platz braucht es nicht. Er kennt alle Geheimnisse seit meiner Teenagerzeit. Auch die Bitteren.
Umhüllt von der Stille am Morgen schließe ich die Augen und lausche dem Fluss. Sein gleichmäßiges Strömen beruhigt.
Ab und zu unterbricht ein vorbeifahrendes Schiff die Monotonie der Wellen. Gerne möchte ich diesen Augenblick mit ihm teilen, kleine Boote aus meinen Träumen bauen und zusehen, wie der Fluss sie davonträgt zu neuen Ufern. Aber er fürchtet sich davor, dass sie untergehen könnten. Deshalb bin ich alleine hierher gekommen mit all den Gedanken, die ständig um ihn kreisen und mir seit Wochen die Nächte stehlen. So nah ist er mir dennoch unerreichbar geworden.
Ich nehme einen Kieselstein vom Boden und fahre behutsam mit den Fingern darüber. Seine glatte Oberfläche ist kalt.
Automatisch schließe ich die Hand und halte den Stein darin fest, als sei er etwas Wertvolles, das ich auf keinen Fall verlieren möchte.
Ihn werde ich nicht aufhalten können. Er wird gehen. Ganz leise. Ohne große Worte.
Und die nächste Flut wird meine Träume mitreißen. Unaufhaltsam. Vielleicht schon morgen.
Du musst loslassen, hämmert es in meinem Kopf. Oder ist es nur das Schreien der Möwen, die über einem herannahenden Passagierschiff ihre Kreise ziehen?
Der Stein plumpst beinahe lautlos in den Sand. Die ersten Tropfen fallen schwer.
Lange wird es dauern, bis das Wasser diesen Kiesel endlich umspült.





