Seit der Geburt unseres Sohnes bleibt mein Mann zuhause.
Freiwillig – was er immer wieder betont, als müsse er alle davon überzeugen, das er nun ein bekennender Hausmann ist. Obwohl es ihm am Anfang schwer gefallen ist, seinen Schreibtisch gegen eine Mickeymaus-Wickelkommode zu tauschen und sich mit den Geheimnissen einer gesunden Babyernährung vertraut zu machen, hat er sich bisher nicht ein einziges Mal beklagt.
Nein, im Gegenteil. Er meistert diese für ihn neue Situation mit Bravour.
Neuerdings geht er sogar mit unserem Sohn Konstantin in eine Krabbelgruppe.
„Stell dir vor Schatz. Dort bin ich nicht einmal der einzige Mann unter Müttern.“
Und dann erzählt er mir von Lars.
Lars gehört zu den Gladiatoren von heute. So nennt er sich zumindest, wenn er von seinem Hausmanndasein spricht.
Täglich kämpft er auf Leben und Tod.
Seine Gegner sind klein, abstoßend und stinken, dass es ihm übel wird, sobald sie ihm unter die Nase kommen. Seine Arena ist ein Zwölfquadratmeter-Kinderzimmer, wo ihm ein paar Dutzend Plüschtiere und vier Puppen bei seinem Kampf zuschauen.
So zärtlich er auch zu seiner Tochter ist, fürchtet er doch den Moment, wenn sie zu plärren beginnt und er weiß, dass es mal wieder soweit ist. Am ersten Tag glaubte er noch, es könne hilfreich sein, die kleine Jennifer abzulenken und mit einem Blick auf die Uhr zu hoffen, dass seine Frau bald nach Hause kommen und ihm die Arbeit abnehmen würde. Aber seine Tochter machte ihm einen Strich durch die Rechnung und Lars in diesem Moment Bekanntschaft mit einem ganz besonderen Mechanismus, dem Ich-hab-die-Hosen-voll-Mechanismus.
Eine anfängliche Unruhe, die bald zu einem Wimmern und Nörgeln wird, um sich nach einigen Minuten in ein markerschütterndes Schreien zu verwandeln, das selbst den hartgesottensten Artgenossen unter den Hausmännern nicht mehr kalt lässt. Merkwürdig, dass seine Frau dann immer so gelassen bleiben kann, findet Lars.
Glücklicherweise ist mein Mann ganz anders als sein Krabbelgruppenkollege.
Ihm macht es nichts aus, die Windeln unseres Sohnes zu wechseln.
Ganz im Gegenteil – wie er mir immer wieder versichert. Konstantins zufriedenes Glucksen entschädigt ihn für alles.
So ist mein Mann – ein echter Hausmann eben, der das Zusammensein mit seinem Sohn genießt und keine Berührungsangst vor geschlechter-übergreifender Arbeit hat.
Dachte ich.
Bis ich vorgestern unerwartet eine Stunde früher vom Büro nach Hause kam.
Florian – so heißt mein Mann – stand leichenblass an der Hauswand.
In der rechten Hand hielt er den Windeleimer, dessen Inhalt sich gleichmäßig verteilt auf dem Boden befand. Auf der Stirn meines Mannes konnte ich deutlich das Wort Panik lesen.
„Schatz!“, rief ich ihm zu, „kannst du bitte einmal kommen. Ich habe den Hausschlüssel vergessen.“
Erleichtert kam Florian auf mich zu und begrüßte mich – wie immer – mit seinem charmanten Lächeln.
Er schloss die Tür auf und folgte mir in die Diele.
„Hattest du einen angenehmen Tag, Liebes?“
„Ja, mein Schatz. Ich habe mir extra eine Stunde früher freigenommen, damit wir mit Konstantin noch in den Park gehen können.“
„Mach du den Kleinen schon fertig, ich muss mich noch um den Windeleimer kümmern.“
Sein Gesicht nahm wieder diese eigenartige Blässe an. Ich musste ihm helfen.
„Nein, Florian. Lass mich das machen. Kümmere du dich um Konstantin. Du hast schließlich schon den ganzen Tag hier im Haus geschuftet.“
Niemand kann sich vorstellen, wie erleichtert mein Mann war – außer Lars.






Seltsam, dass Männer den Gestank nicht packen und Frauen da ein wenig gelassener reagieren!
So long